Seishinkai Yudansha Seminar Mai 2022

Yudansha Seminar in Frankfurt: Intensives Training für (angehende) Schwarzgurte

Nach ursprünglicher Planung hätte der Lehrgang viel früher im Jahr stattfinden sollen – aber was lässt sich schon so richtig planen in diesen Zeiten…

Fast scheint es, als hätte die Verschiebung den „Aikidohunger“ noch vergrößert! Jedenfalls waren alle Teilnehmer*innen mit großer Leidenschaft und Wissbegier dabei und haben wertvolle Impulse mit nach Hause genommen.

Das folgende Video erlaubt einen kleinen Einblick in die intensive Arbeit. Das Ende erinnert nochmals an den Folgetermin am 2. Juli, an dem das nächste Yudansha Seminar in Frankfurt stattfindet. Am besten jetzt schon im Kalender fest reservieren.

„Perlentaucher“ – Eindrücke von Seishinkai Aikido Herbstlehrgang

„Perlentaucher“ – Eindrücke von Seishinkai Aikido Herbstlehrgang

Für mich als Leiter eines der Seishinkai Aikido Dojos sind die Frühlings- und Herbstlehrgänge „gesetzt“. Unverrückbar im Terminkalender verankert. Seit vielen Jahren schon begleiten mich dabei nicht selten Schülerinnen und Schüler aus dem AZUNU, von denen viele in diesem Rahmen ihre Passage (Gürtel-Graduierung) machen.

Reine Routine? Im Gegenteil!

Wie kommt es, dass sich trotzdem keine Routine im Laufe der Jahre einstellt? Das liegt am „DO“ im Aikido – dem Weg, den wir immer weitergehen. Wir bleiben nicht auf den Fleck stehen. Dass die Routine ausbleibt, liegt auch an Thorsten Schoo Sensei. Mit beeindruckender Energie und großem Fleiß findet er immer wieder besonders lohnenswerte Strecken auf dem DO.Schoo Sensei möge mir das folgende Bild verzeihen: Manchmal erscheint er mir wie ein Perlentaucher, der in Tiefen vordringt, in die ich nicht ohne Weiteres vordringen würden. Von dort bringt er die schillerndsten Schätze mit, die er nicht für sich behält, sondern gerne teilt, mir und anderen zugänglich macht und sich zusammen mit allen Lehrgangsteilnehmern darüber freut. Ganz nebenbei lerne ich jedes Mal, die Luft wieder ein bisschen länger anzuhalten, um auch eigenständig tiefer tauchen zu können.

Die Idee von „Wu Wei“

Um noch kurz in diesem Bild zu bleiben: Auf dem diesjährigen Herbstlehrgang kam eine ganz besondere Perle aus der Tiefe empor. Es ging um das taoistische Prinzip des „Wu Wei“ und um den Abbau von überflüssigen Spannungen im Körper, die diesem Prinzip entgegenstehen. Ein ganz anderes Bild beschreibt sehr schön Wu Wei, das wir „Westler“ etwas holperig als „handeln durch nicht-handeln“ bezeichnen: Ein Kind wirft ein Stöckchen in den reißenden Bach und schaut ihm hinterher. Da tanzt es auf den Wellen, dreht sich, geht unter, bleibt am Stein hängen und taucht woanders wieder auf. Das Stöckchen hat kein Problem mit dem Strom, im Gegenteil: In perfekter Harmonie mit den Elementen ist es perfekt. Das Kind am Ufer – der Beobachter – ist entzückt! UNSERE KÖRPERINTELLIGENZ MUSS DAS PRINZIP VOLLKOMMEN VERSTEHEN – ZU 100 PROZENT – DAMIT WIR FUNDAMENTAL IN DER LAGE SIND, AI KI ENTSTEHEN ZU LASSEN.THORSTEN SCHOO SENSEIWelch ein Kontrast zu diesem rigiden Gitterwerk aus Plänen, Projekten und Strukturen, welches wir unser Leben nennen, und das keine Grazie kennt im Strom der Zeit. Vielleicht entsteht dadurch dieses „ungreifbare“ Gefühl, das einem die Zeit irgendwie unter den Händen durchgleitet? Gut möglich, dass die Anwendung von Wu Wei auf das gesamte Leben mehr Zufriedenheit bringt. (Vielleicht gibt es sogar eine Art Verwandtschaft zu laissez-faire oder hakuna matata?)

„Spannungsmanagement“ als Schlüssel zu neuen Leveln

Auf jeden Fall ist es für uns als Kämpfer vorteilhaft, das Prinzip des Wu Wei in jeder Situation zu identifizieren. Das lernen wir aber nicht allein aus Texten, Grafiken oder Erzählungen. Unsere Körperintelligenz muss das Prinzip vollkommen verstehen – zu 100 Prozent – damit wir fundamental in der Lage sind, AI KI entstehen zu lassen. Genau dazu hat Schoo Sensei für den Aikido Herbstlehrgang ganz konkrete Übungen entwickelt. Besonders spannend – besser gesagt: entspannend – war das „Spannungsmanagement“. Zunächst die Wahrnehmung von körperlichen Spannungen, wie sie viel zu leicht, oft unbewusst entstehen und die Erkenntnis, dass sie im Aikido leider meist gar nicht helfen… Dann das bewusste Loslassen und die Erfahrung, wie sehr dieses Spannungsmanagement die Durchführung auch der „einfachsten“ Techniken auf ein ganz neues Level hebt. Wie immer fällt es so schwer, diese Erfahrung, den ganzen Lehrgang, mit Worten einzufangen. Umso glücklicher bin ich, dabei gewesen zu sein – ganz ohne Routine.

Olaf Marshall – Leiter des Aikido Zentrum Ulm/Neu-Ulm

Ausblick auf 2020

Ausblick auf 2020

Kontinuität im Wandel – dieser Begriff, den unser Verbandspräsident Hans Werner Pitsch mit Bezug auf die gelungenen Aktivitäten des SEISHINKAI AIKIDO e.V. im April diesen Jahres anlässlich unserer Mitgliederversammlung geprägt hat, kennzeichnete auch die Präsidiumsklausur, die am Wochenende vom 16.-18. August im Kellerwald stattfand, auf der die Mitglieder des Präsidiums mit viel Engagement künftige Projekte besprochen und entworfen haben.

Wir haben über das zukünftige Format des Aikido-Sommers gesprochen, über die kommenden Aikido-Sessions und Freundschaftslehrgänge, über die weitere Entwicklung hinsichtlich der Trainer- und Lehrerausbildungen und einiges mehr. Diese gewohnten und bewährten Lehrgänge bleiben uns erhalten. Zugleich zielen wir aber auch auf Erneuerung und Entwicklung – ganz im Geiste des SEI SHIN…

Das technische Kollegium hat schon zu konkreten Plänen für den Aikido Sommer 2020 getagt. Es ist ein schönes Programm dabei heraus gekommen. Vieles davon werden wir schon bald konkreter ankündigen können. Auch für die Freundschaftslehrgänge und die Aikido Sessions sind wir schon in den Startlöchern. Darüber werden wir Euch so bald wie möglich informieren. 

Wir freuen uns auf eine wunderbare Zeit gemeinsamer Aktivität und Entwicklung mit Euch allen! 

„Kodexvergleich“: Shotokan Karate

Shotokan Karate bedeutet wörtlich Shoto „Rauschen in den Kiefern“ und Kan „Haus“, Karate „leere Hand“.

Der Begründer des Shotokan, Gichin Funakoshi, schreibt: „Das höchste Ziel des Karate ist nich der Sieg oder die Niederlage, sondern die Perfektion des menschlischen Charakters.“

Dies zeigt die starke kulturelle Ausrichtung, die dieses Bugei („Technikkanon“) hat. Der Kodex und die Kultur des Karate wird in den „20 Regeln“ klar definiert, die auf dem alten Kriegerkodex Bushido ebenso basieren wie auf der Zen-Philosophie. Davon die wichtigsten:

  • Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.
  • Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.
  • Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.
  • Erkenne zuerst dich selbst, dann den anderen.
  • Lerne deinen Geist zu kontrollieren, und befreie ihn dann.
  • Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert.

Wenn wir „Karate“ durch „Aikido“ ersetzen, könnten wir eigentlich zufrieden sein! Dies gilt genauso für andere, in sich komplette Systeme. Die Metapher des Berges,  den wir gemeinsam – wohl auf verschiedenen Wegen – erklimmen, kann auch hier wieder angeführt werden:

Verwechsele nicht den realen Berg – deine höchsten Ziele – mit dem Weg, der dich dorthin führen soll!

Begebe dich nicht in die dumme Auseinandersetzung darüber, welcher Weg am besten oder schneller zum Ziel führt. Denn wenn du nicht bereit bist, führt kein einziger Weg zum Ziel! Stattdessen wenn du bereit bist, führt auch ein „glanzloser“ Weg zum Ziel.

Dies erinnert mich an ein Wort, das  Inaba Minoru Sensei einmal sagte: „Als erstes musst du dir darüber klar werden, wo du eigentich hin willst. Wenn du das Ziel ungefähr vor Augen hast, überprüfe deine Techniken ganz ehrlich, ob sie dir auf dem Weg hilfreich sind.“

Meiner Ansicht nach sind wir oft schon den Großteil des Weges gegangen, wenn wir uns in dieser Schärfe über unsere Ziele klar geworden sind! Bis zu dieser Stufe ist es ungeheuer wichtig, regelmäßig ein klares Keiko (körperliches Training) zu haben, damit der Boden für die richtigen Fragen bereitet werden kann.

Thorsten SCHOO

Das 4-Säulentraining

Das 4-Säulentraining

Das 4-Säulentraining des Seishinkai Aikido will die waffenlose Praxis (Tai Jutsu; Grundlagen und Aikido) und die Waffenpraxis (Buki Jutsu; Stock und Schwert) miteinander in Einklang bringen. Die insgesamt 4 Disziplinen des SEISHNKAI AIKIDO sind in sich selbständig und können auch einzeln angeboten werden. – Auf der anderen Seite ergänzen sich harmonisch und bereiten uns auf eine neue Stufe des Kämpfens vor:

Es gibt darin keine Unterschiede im Bewegungsgefühl, ob du eine Waffe in der Hand hast oder nicht, ob du stehst, sitzt oder am Boden liegst. Du bist immer gleich, zwei Arme, zwei Beine, der wandernde Körperschwerpunkt, je nach Situation. Hinter der Vielfalt liegt die Einfalt, die Einfachheit der Dinge. Das ist es, was SEISHINKAI AIKIDO anstrebt mit der Vielfalt des 4-Säulentrainings.

Die Grundlagen sind gut für den Aufbau der nötigen Kraft und Elastizität des Körpers, für eine gute Haltung, die richtige Atmung, für den richtigen Gebrauch der Hände, der Fäuste und der Füße. Kurz: die Grundlagen steigern die Körperintelligenz und schaffen die Vorraussetzung für kreatives Arbeiten.

Aikido ist gut für die allgemeine Fitness, das Verständnis des Körpers als Ganzem, die Entdeckung des Körperschwerpunkts und das verbindliche Arbeiten mit der eigenen Mitte. Aikido dient dem Aufbau harmonischer Kommunikation mit den meist defensiven und integrativen Techniken des Aikido.

Jo-Jutsu steigert das Raumgefühl. Der wahrgenommene eigene Raum soll mindestens so groß werden, dass der Gegner darin Platz hat. Dann kann man sich besser in ihn hineinfühlen. Jo-Jutsu ist durch seine Art, den Stock eher wie eine Peitsche als wie ein Schwert zu führen, sehr effektiv und gefährlich.

Ken-Jutsu trainiert die Fähigkeit, sich ohne Verluste durchzusetzen. Die Fähigkeit, auf den richtigen Augenblick zu warten und sich dann – notfalls im Bruchteil einer Sekunde – entscheiden zu können. Die formgebundene Arbeit, qualifizierte Trainer und richtiges Trainingsgerät sorgen dafür, dass sich niemand bei den Übungen verletzt. Ken-Jutsu trainiert den wilden und den friedlichen Geist.

Dabei ist die beste Art zu kämpfen nicht zu kämpfen! Das ist der eigentliche Sinn von Budo („den Speer anhalten“). – Doch um dies zu erreichen, muss man sehr gut sein. – Jede der Disziplinen des Seishinkai Aikido verbessert die Fähigkeiten in der Auseinandersetzung auf körperlicher, geistiger und emotionalen Ebene. Zusammen genommen, als 4-Säulentraining, bekommen sie einen zusätzlichen Wirkfaktor.

Seishinkai Aikido hilft dem Einzelnen, sich selbst besser zu verstehen, seine Werte und sein Leben zu schützen und es eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. Die Grundwerte des Seishinkai Aikido sind Selbsterkenntnis, Gesundheit, Verteidigung des Lebens, Freude, Mitgefühl und Menschlichkeit.